Europapokal  

  02.10.2005 - 12.10.2005   

Unsere Mannschaft beim Europapokal 2005

Liebe Eltern , liebe Schachfreunde !
 

Hier einige Fotos vom :

     KSK47 EYNATTEN
 
vom Europapokal aus St.Vincente ( Italien ) .
Die  beste Team Leistung unserer Vereinsgeschichte ( geteilter 9.Platz von 48 Vereinen aus 26 Ländern

Foto : Wimpel des KSK 47 EYNATTEN

Sonntag um 19 Uhr 45 . Buchstäblich in letzter Minute sicherte Aleksander Golashapow uns den Sieg über den Türkischen Meister Istanbul . Kurz vorher hatte Daniel Hausrath durch seinen Sieg die Wende der Begegnung eingeleitet ,einer Begegnung die schon hoffnungslos verloren schien .Es gab bei Spielern Tränen der Freude , Herzstiche und die beiden genannten Spieler konnten minutenlang nicht sprechen . Unser KSK47 Eynatten erreichte damit einen mit 4 andern Vereinen geteilten 9. Platz und darf sich zu den Top 10 Europas zählen ,eines Europas ,das in der Welt im Schachsport führend ist . Aber erzählen wir alles mal der Reihe nach :

Der Grundstein

Im März diesen Jahres wurde der KSK47 zum dritten male Landesmeister mit einem bis dato nicht da gewesenen Vorsprung .Von nun an begannen die Vorbereitungen zum Europa Pokal . Als erstes musste einmal die Teilnahme finanziell abgesichert sein . Dank der Unterstützung der Deutschsprachigen Gemeinschaft , der Gemeinde Raeren, des Belgischen Schachbundes und Spenden einiger Vereinsmitglieder wurde das dann gesichert . Nun ging es an die Aufstellung des Teams . Es sollte ein starkes Team gebildet werden ,dass Aussicht hatte unter die Top Ten Europas zu kommen . Dennoch sollten auch Spieler mitspielen für die so eine Teilnahme das bisherige Highlight ihrer Laufbahn sein würde . Als „Stars ‚übernahmen  Mikhail Gourevich ( bereits einmal unter den Top Ten der Welt) und Arkadij Naiditsch (einer der weltbesten Jugendlichen die Bretter 1-2 ). Aleksander Golashapow seit vielen Jahren Stütze der 1.Mannschaft  spielte an Brett 3 und Daniel Hausrath sollte bei seiner erstmaligen Teilnahme am vierten  Brett sitzen .Gerard Schebler schon in Kreta mit von der Partie und Stephane Hautot , erstmalig im Europa Cup für Eynatten komplettierten unser Team . Dimtri Komarow und Cemil  Gulbas standen  bereit um einzuspringen ; sollte ein Spieler eine Runde pausieren mögen und feststellen dass er nicht gut in Form war . Verständlicherweise mochten mehr Spieler mitreisen .Es ist nicht leicht , einigen abzusagen , aber  es können nur 8 Spieler nominiert werden . Wir wurden als Nummer 12 gesetzt . Unser Ziel war  ein Platz unter den Top 20 und wenn alles prima laufen sollte einen Platz unter den Top 10 .

Die Anreise

Ein Auto mit dem Spieler Cemil Gulbas und den Begleitern Nicolas Gillain und Pascal Vandervort starteten von Lüttich bereits am Freitag . Drei  Autos am Samstag um 8 Uhr vom Hotel Tychon in Eynatten . Per Flugzeug in Mailand landen sollten Mikhail mit Freundin, Aleksander und Dimitri dann später zu uns stossen . Drei Wagen fuhren also von Eynatten aus . Vorneweg Victor (Schleck) mit Beifahrer Arkadij (Naiditsch) , Stephan (Hautot) und Albert (Delborgo)  Ich dahinter mit Beifahrer Bernd(Loo)  und Freundin Soya . Am Schluss folgte Postman Paul (Zilles) mit den 1.Bundesliga Spielern Gerard (Schebler) und Daniel (Hausrath) . So starteten wir ziemlich pünktlich . Es sollte eine Reise durch 5 Länder (Belgien-Luxemburg-Frankreich-Schweiz-Italien) über 800 km werden . Ich war schon in der Wüste Armeniens, am Zipfel Afrikas und auf dem Zuckerhut gewesen ,aber hatte noch nie Schweizer Boden betreten. So war die Fahrt durch die Schweiz auch für mich sehr beeindruckend . Wirklich ein wunderschönes Land . Wir machten nur kurze Pausen und verfuhren uns kaum ,auch weil sich Arkadij im ersten Auto als prima Kartenleser zeigte . Über den Brenner stiessen wir ins Aosta Tal . Es schien mir vergleichbar mit Süd Tirol das jahrelang mein bevorzugtes Urlaubs Domizil war

   Die Ankunft

 Gegen Abend trafen wir in St.Vincente ein .Das *** Sterne Hotel „Goldener Löwe“ erwartete uns . Ich mag kleinere Hotels und bevorzuge sie den riesigen  Ferien  Hotels gegenüber , die oft alle       gleich ausschauen egal wo sie hingebaut wurden . Kleinere Hotels sind persönlicher , haben ihre eigene Note , ihre eigenen Vorzüge und ihre eigenen Unzulänglichkeiten , wie wir Menschen auch Im „Lion d’Oro“ waren noch die Österreicher  die Weissrussen  und unsere Landsleute aus Lüttich und vom Nachbarclub Rochade Eupen untergebracht .Die Zimmer waren sehr schön und wir erhielten auch noch warmes Essen . Auf die Frage Pasta oder Suppe antworteten Arkadij und ich als einzige Pasta und Suppe .Wir dachten  es gäbe nichts anders und wollten auf Nummer sicher gehen. Doch es gab Pasta ,dann das Hauptgericht ,dann das Eis und wir beiden ‚Nimmersatten“ erhielten  dann unter dem Gelächter unserer Vereinsfreunde und des Kellners zum Abschluss die ... Suppe Anschliessend machten wir noch einen Spaziergang durch das nun nächtliche ST.Vincente , das mit seinen vielen Gaststätten , Bars , alten Gebäuden einen sehr guten , gemütlichen Eindruck machte. Wir schauten im prächtigen Turniersaal hinein und es kam schon etwas prickelnde Vorfreude auf . Wir die  Spielgemeinschaft der beiden kleinen Dörfer Eynatten und Wirtzfeld  Dorf waren mit dabei , wenn die besten Vereins-Teams der Welt aus Städten wie Stockholm , Berlin , Tiflis , Minsk , Skopje , London , Budapest , Istanbul , Cardiff aufeinander trafen und das sogar nicht einmal  chancenlos .Am Abend schaute ich noch was Fernsehen . Leider gab es  fast ausschliesslich Italienische Sender . Doch so viel verstand ich , die Bundestagswahlen hatten überraschende Ergebnisse gebracht .Um mehr zu erfahren würde ich mir am nächsten Morgen die Bild Zeitung kaufen nach dem Motto : Bild weiss mehr !“

  

Foto : Unsere Mannschaft des KSK 47 EYNATTEN

Gelungener Start

 Frohgemut gingen wir zum Turniersaal , der in Wirklichkeit eine riesige Sporthalle war . Dort trafen wir auch viele Vereinsmitglieder die in anderen Mannschaften spielten . Im Schach , was für   Aussenstehende schwer zu verstehen ist, kann man in einer Spielzeit in mehreren Teams spielen . Natürlich nur in jedem Land in einem Team . So gibt es Spieler die in 5 verschiedenen Vereinen tätig sind . Für die Profis ist dies lebensnotwendig ,da man im Schach nicht so viel Geld verdient . Wir trafen Vasily Yvanchuk für den polnischen Meister , Robert Ruck für Budapest , Gerard Welling für Calders(NL) und Igor Khenkin für Tegernsee spielend . Vor allem unsere Freunde Zaelerszeg  Czabo Horvath , Adam Horvath , Tamas Horvath und Josef  Horvath vom Ungarischen Meister . Nach der Eröffnungs-Zeremonie starteten nun 48 Herren Teams und 12 Damen Teams ihre Begegnungen um den Europa Pokal .

Auftaktsieg

Für mich ist der Augenblick vor dem Beginn des Turniers eine der schönsten . Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen , die Teilnahme ist finanziell gesichert , die Anreise hat geklappt , wir haben ein prima Team . Nach dem Lied der Höhner : „Da sin mer dabei dat is prima .. „ Und wenn dann noch alle das Grüne Trikot anhaben , selbst wie bei Arkadij , nur ein Zipfel sichtbar wird umso schöner . Und wir waren nicht nur einfach dabei sondern mit reellen Chancen einen Platz unter den Top 20 zu erspielen . Meine Gedanken gehen dann  zurück an den  14.Oktober 1982 , dem Tag unseres  1.Mannschaftskampfes in der 6.Division gegen Kelmis IV der 2:2 ausging . 23 Jahre später wieder Mannschaftskampf und das als Landesmeister mitten unter der europäischen Schachelite die fast identisch mit der Elite des Weltschachsportes ist . Uns gegenüber sassen die Vertreter der Neuköllner Schachfreunde . Aber Achtung Neuköln ist nicht ein Neues Köln sondern ein Stadtteil von Berlin . Obschon Neuköln in der 1.Bundesliga spielt waren wir favorisiert . So brachten uns Daniel Hausrath und Gerard  Schebler rasch 2:0 in Führung dem Aleksander Golashapow ein Unentschieden folgen liess . Zwei weitere Unentschieden von Arkadij Naiditsch und Mikhail Gourevich  stellten schon einmal den Gesamtsieg sicher . Stephan Hautot setzte mit seiner Erfolg dann den Schlusspunkt zum sicheren 4,5:1,5 Sieg . Der Start war gelungen . Zufrieden gingen wir ins Hotel wo uns Pasta oder Suppe erwartete. In guter Stimmung assen wir zu Abend . Schon am 1.Spieltag waren wir auch bester Belgischer Verein , was wir als Landesmeister auch sehr gerne zum Turnierende werden wollten . ( Es spielten noch Lüttich und Eupen mit )

Irish Pub

Am Abend schlenderten wir durchs gemütliche St.Vincente und wurden schnell im Irish Pub heimisch. Dort trafen sich viele Spieler des Europa Pokals . Besonders natürlich die Iren , die sich verständlicherweise zu Hause fühlten . Sie sangen den ganzen Abend ihre Volkslieder . Besonderer Hit „Helloh Baby „ Doch auch die Slowenen stimmten ihre Songs an und lieferten sich mit den Herren der Grünen Insel einen Wettstreit, der gut zur prima Stimmung beitrug . Unser Mitfahrer Paul , der für Echternach spielte und von Beruf aus Briefträger ist und mit der Devise lebt : „Bei mir geht die Post ab“ warf schon mal einige bewundernde Blicke auf die Kellnerin Antonella . Nicht ohne Grund : Antonella war hübsch , sehr freundlich und voller Einsatz und was Paul schon bald herausfand , nicht mehr liiert ......

Zweiter Sieg im zweiten Spiel

Am andern Morgen kundschafteten wir schon mal die nähere Umgebung des Ortes  und schnupperten ein wenig an der Bergwelt . Auch schauten wir die Geschäfte an , kauften Ansichtskarten und Kleinigkeiten die jeder so vermisst . Wir setzten uns auf eine Veranda und ich bestellte mir einen Kaffee in der Hoffnung , auf eine Kanne  Kaffee mit  „Jacobs Krönung „. Es kam ein winziges Täschen mit riesig starkem Kaffee , der mich sofort um mein Mittagsschläfchen fürchten liess .  Zu Mittag gab es zum Nachtisch Eis und Kuchen . Ich bestellte Eis und unser Arakadij natürlich Eis mit Kuchen , denn er auch Dank seines jugendlichen Charmes bekam . Mikhail sagte dass man in Italien Kuchen mit Eis „Dolce Vita „ nennt . Am Nachmittag ging es dann in die zweite Runde . Mit Reykavik dem Isländischen Meister stand ein nicht einfacher Gegner auf dem Programm . In Island wird der Schachsport sehr gut gefördert  und ist dort hoch angesehen . So gerieten wir auch rasch durch Stepphans Niederlage 0:1 in Rückstand . Mikhail Gourevich ( S.Foto) erreichte ein Unentschieden und Arkadij Naiditsch schaffte den Ausgleich zum 1,5:1,5 . Nach gut drei Stunden Spielzeit brachte  Danil (Hausrath) uns mit 2,5:1,5 in Führung die durch Aleksander Golshapows Unentschieden verteidigt werden konnte (3:2)  Gerard (Schebler) setzte dann mit seinem Partieerfolg den Schlussstrich unter eine nicht leichte Begegnung . Zwei Siege zum Auftakt , ein Start nach Mass . Am Abend ging es denn natürlich wieder in den Irish Pub wo wir .. Bayrisches Bier (Paulaner) tranken und unsern guten Start schon ein wenig feierten . Nun erfuhren wir auch unsern nächsten Widersacher : Tomsk 400 der Landesmeister Russlands , ein Weltklasse Team . Wir freuten uns gegen solch eine Mannschaft spielen zu dürfen und das dabei noch auf der Bühne der sechs besten Mannschaften . Letztes Jahr waren wir 1:5 unterlegen . Nun erhofften wir ein besseres Ergebnis , an einen Sieg wagten wir nicht zu denken obschon Victor in dieser Nacht gerade diesen wunderschönen Traum „träumen sollte“

Foto : Die Gruenen des KSK 47 EYNATTEN

Nun brauchte er nur Wirklichkeit zu werden , der Traum von Victor , der da schon den Sieg über Tomsk an sich vorbeiziehen sah . Ja manchmal werden ja auch Träume Wirklichkeit . Nun wir spielten schon mal auf der Bühne der sechs besten Teams und thronten sozusagen über die andern 42 Mannschaften . Es war das dritte mal das wir auf eine Weltklasse Mannschaft trafen . Vor 2 Jahren auf Kreta hatten wir gegen St.Petersburg fast eine Sensation geschafft . Leider verlor Aleksander ( der mit dem berühmten Satz zu mir gewandt sagte er : „Ich nun sprechen deutsch : „ Ich Enkel , du  ... Grossvater)  bei besserer Stellung durch Zeit und wir die Begegnung mit dem knappsten aller möglichen Ergebnisse 2,5:3,5 . Übrigens habe ich mich Tage später an Aleksander gerächt . Als wir durch den Raerener Wald fuhren sah Aleksander ein Reh worauf ich ( the grand-father) sagte hier gäbe es auch Tiger . Aleksander sagte „My Good“ verschloss schnell das etwas geöffnete Fenster und starte während der Fahrt mit plattgedrückter Nase durch das Fenster immer murmelnd : „ Sibirien Tiger  in Belgium ,!!!!“  Voriges Jahr trafen wir auf Tomsk , verloren aber 1:5 , waren eigentlich ohne Chancen . Nun also der dritte Anlauf gegen ein Weltklasse Team .

Es war gegen den neuen Europa Pokalsieger

Mikhail an Brett 2 und Dimitri an Brett 5 erreichten rasch ein Unentschieden . Es stand 1:1 und das Pflänzchen , das da Hoffnung heisst begann sich aufzurichten . Doch nach 4 Stunden Spielzeit mussten sich Gerard und Aleksander geschlagen geben . Das Pflänzchen Hoffnung beugte sich , bevor es erblühen konnte . Doch dann führte uns Arkadij durch eine Weltklasse Partie auf 2:3 heran . Das Pflänzchen Hoffnung richtete sich ein wenig auf , doch was es sah war nicht ermutigend . Daniel Hausrath hatte in der Eröffnung die Qualität verloren , kämpfte zwar vorbildlich , aber gewinnen konnte er nicht mehr . Das Pflänzchen Hoffnung starb und wir verloren 2:4 . Traurig waren wir schon etwas . Doch , wir wären nicht so traurig gewesen , hätten wir da schon gewusst , dass wir gegen den zukünftigen Europa Pokalsieger verloren hatten . Am Abend ging es wieder in den  Irish Pub . Um die Niederlage ein wenig zu vergessen , spielte Victor ... Dame . Das besondere dabei war , dass man bei jedem verlorenen Stein diesen mit Hochprozentigem gefüllt austrinken musste . Paul , ihr wisst schon , unser Postman machte sogar drei Damenspiele mit vielen verloren ausgetrunkenen Steinen . Nachts (Morgens) hörten wir einen dumpfen Stoss im ganzen Hotel : Paule war die Treppe ...... hinaufgefallen .

                           Der Gipfel war das Tal (Foto von Victor)

           

 Am anderen Morgen starteten Victor und ich zur grossen Bergwanderung , denn der Berg hatte uns schon seit Tagen gerufen , wir dieses Rufen aber überhört . Paul der noch im Bett schlummerte, konnte das Rufen des Berges heute verständlicherweise überhaupt nicht hören .Victor und ich schauten schon mal hinauf , da wo wir wohl bald stolz stehen würden . Mit flottem Marsch ging es nach oben . Ich hatte schwer mitzuhalten , denn Victor geht den Berg im gleichen Tempo hinauf wie er ihn auch hinuntergeht Glücklicherweise war die Beschilderungen sehr ungenügend , sodass er dann , um sich mit mir zu  beraten stehen bleiben mussten . So änderte sich unser Ziel andauernd . Nach 40 Minuten ging es  immer munter bergab ; Dennoch hofften wir plötzlich auf einer Anhöhe ( die Hoffnung Gipfel hatten wir schon aufgegeben) zu stehen . Da das Bergabsteigen anhielt , flimmerte uns beiden Alpinisten , dass wenn man immer bergab geht nicht sehr hoch kommen kann . Und tatsächlich .. plötzlich waren wir mitten in unserem Städtchen . Wir waren so verwirrt , dass wir Mühe hatten , nachdem wir den Gipfel nicht erreicht hatten wenigstens unser Hotel zu finden .

Der verhinderte Wimpeltausch

Vor Spielbeginn überreichten wir unsere Gegenspieler unsern neuen schönen Wimpel. Früher war es Tradition dass viele Mannschaften dies machten . Diese schöne Geste aber ist leider so gut wie nicht mehr zu sehen . Schade eigentlich . Wir waren vielleicht das einzige Team das so etwas machte . Lediglich die Tomsker übergaben uns einen kleinen Bildband ihrer schönen Stadt . So übergab Victor dem Kapitän unserer „Gegner“ der 4.Runde unsern Wimpel . Er freute sich sehr darüber , etwas beschämt  , dass er keinen Wimpel hatte riss er, sich entschuldigend  ihren Banner von einer kleinen Standarte vor ihrem 1.Brett und wollte ihn uns überreichen . Doch der  Spieler des 1.Brettes riss sie ihm seinerseits wieder aus der Hand um sie an der Standarte wieder festzumachen . Dennoch waren die Spieler aus dem Kosovo unsere sympathischten Gegenspieler mit denen wir uns auch noch später unterhalten sollten . Die Spieler haben keine Elo-Zahlen sind aber höher einzuschätzen und sehr kampfstark . Sie hatten in der vorigen Runde Penne besiegt , ein Team , das identisch mit der Italienischen Nationalmannschaft ist . Dennoch waren wir hoch favorisiert . Wir siegten auch überlegen . Mikhail Gourevich , Dimitri Komarov und Arkadij Naiditsch brachten uns 3:0 in Führung Gerard Schebler sicherte den Sieg mit dem 4:0 . Nach einem weiteren Sieg von Daniel Hausrath und einem Unentschieden meines „Enkels“ Aleksander Golashapow  hiess es dann letztendlich 5,5:0,5 Dieser hohe Sieg sollte uns in Runde 5 wieder auf die Bühne der besten Sechs bringen . Der Gegner war wieder ein Mächtiger : Tiflis , der Meister Georgiens . Und wieder keimte das Pflänzchen, das man Hoffnung nennt ....

Gesamtsieg über den  Meister des Kosovos

Erste Enttäuschung

Georgien ist ein sehr schachstarkes Land . Und ihr Meister Tbilisi sicher auch ein sehr spielstarkes Team . Dennoch waren wir nicht ohne Chancen . Es konnte ein knappes Ergebnis werden .Wir waren an Nummer 12 gesetzt , die Spieler aus Osteuropa an Nummer 8 . So waren wir selbst nicht ohne Siegeschancen . Doch  Unentschieden  an  den Brettern  unserseits durch Mikhail , Dimitri Aleksander geführt , liessen nichts Gutes ahnen . Denn unsere Spieler führten die weissen Steine , was im Schach ein Vorteil ist : Man hat die Eröffnungswahl , da man den ersten Zug ausführt und ist eigentlich immer einen Zug voraus ( Tempogewinn ) . So geben erfahrene Spieler auch mit den schwarzen Steinen schneller Unentschieden und ihre weisspielenden Kollegen versuchen zu gewinnen . Arkadij Naiditsch erreichte mit Schwarz ein Remis und Daniel  gleichfalls mit den schwarzen Steinen . So stand es zwar 2:2 , aber an den beiden andern Brettern spielten die Tifliser mit den weissen Steinen und diesen Vorteil nutzten sie zu zwei Siegen und dem 4:2 Endsieg  . Wir waren zum erstenmal etwas enttäuscht , da wir uns ein wenig mehr erhofft hatten . Aber in solchen Momenten muss man auch daran denken , dass es bei 7 Begegnungen nicht immer bestens laufen kann und dass es überhaupt toll ist inmitten der Europäischen – Welt Vereinselite nicht nur dabei oder mittendrin zu sein sondern sogar ab und zu in der 1.Reihe (Bühne) zu sitzen . An diesem Abend war der Aufenthalt in unserer Gastwirtschaft etwas kürzer und von unserer Seite etwas leiser . Manche werden sagen , verloren ist doch egal . Aber es steckt doch zu viel Arbeit und Energie dahinter so weit zu kommen , und bei dem spielerischen Potential unserer Mannen ist  auch ein gewisser Ehrgeiz verständlich . Anerkennung verdient auch unser Spieler Stephan Hautot . Ab der dritten Runde ersetzte ihn Dimitri Komarow . Einerseits weil Stephan Hautot sich nach der Niederlage in der 2.Runde nicht mehr so schachstark fühlte und anderseits weil wir  nach 2 Siegen in den beiden ersten Runden Chancen hatten vorne unter den Top 20 mitzumischen . Stephan nahm die Entscheidung der Team Leitung sehr sportlich an , ihn durch einen Grossmeister zu ersetzen , was erneut unterstrich welch feiner Mensch der Fide Meister ist .

Foto : Mikhail fuer den KSK 47 EYNATTEN

Morgen machte ich noch einen  gemütlichen Spaziergang  durch „unser Bergstädtchen“ . Als Erholung nach der gestrigen „mehr Tal als Bergwanderung . „                                      

                            

Am Nachmittag wurde es denn wieder ernst . Wohin sollte unser Weg in den beiden letzten Begegnungen führen . Hielten wir und bei den Top 20 unser erstes oder konnten wir noch etwas mehr nach vorne stossen ? Die Begegnung mit den Israelis , im Schachsport durch die vielen Einwanderer aus Ost-Europa ein sehr starkes Schachland , begann hartumkämpft ; Die vier ersten Begegnungen gingen Unentschieden aus (Alexander , Daniel , Dimitri  und  Mikhail ) . So stand es 2:2 . Leider verlor Gerard seine Partie und wir lagen mit 2:3 im Hintertreffen . Durch eine Weltklasse Partie rettete Arkadij Naiditsch uns das  3:3 Unentschieden . Es war bis dato unsere beste Mannschafts-Leistung  . So sassen wir abends frohen Mutes wieder in unserem Stammlokal , tranken unsere Paulaner und träumten von einem Platz unter den Top Ten . Wir waren auch froh , dass wir in der letzten Runde nicht gegen unsere Ungarischen Mannschafts- kameraden spielen mussten denen wir in den beiden letzten 2 Jahren jeweils in der letzten Runde mit 2,5:3,5 unterlegen waren . Unser Gegner hiess Istanbul , zwar hatten wir gegen die Spieler vom Bosporus voriges Jahr knapp 3,5:2,5 gewonnen aber diesmal dachten wir würde es doch etwas leichter werden . Aber da irrten wir uns an diesem Abend in seeliger  Bierlaune gewaltig .

Herzschlagfinale

Am Morgen des letzten Spieltages setzten wir uns noch auf einer gemütlichen Terrasse und schlenderten durch die gemütlichen engen Strassen des Bergstädtchens .  

                           

                                            Daniels Sieg liess uns wieder hoffen .

Am Nachmittag wie immer um 15 Uhr ging es dann in die letzte Runde. Nach 2 Stunden sah es für uns überaus schlecht aus . Sollten wir wieder dieser verflixten siebten Runde , wie schon auf Kreta und in der Türkei zum Opfer fallen ? Durch Gerards Niederlage und die hartumkämpften Unentschieden von Mikhail , Dimitri lagen wir  nach 5 Stunden immer noch in Rückstand 1:2 . Doch dann keimte Hoffnung auf : Arkadij schien seine Partie zu gewinnen , vergab aber durch einen Turmaustausch die Gewinnchance . Sein einziger Fehlzug im ganzen Turnier . Als lagen wir immer noch zurück 1;5:2,5 . Nun wurden die beiden Partien auch Spiele in Zeitnot , da alle 4 Kontrahenten auf ihrer Uhr nur mehr wenige Minuten Bedenkzeit sahen . Daniel schaffte es dann, wie ein Löwe kämpfend seine Partie zum Sieg zu führen . Nun hatten wir ausgeglichen (2,5:2,5) . An Brett 3 kämpfte unser Aleksander , wie immer mit volle Kraft und höchster  Konzentration . Und unser sympathischer Schachfreund aus Odessa schenkte uns durch seinen Partiesieg , den Gesamtsieg und unserem Team in der Endabrechnung einen geteilten 9.Platz , so waren wir noch so gerade in die Top Ten gerutscht . Es flossen Tränen der Freude , einige mussten sich fix und fertig erst mal hinsetzen und unsere beiden Spieler brachten minutenlang kein Wort über ihre Lippen . Derweil wusste Bernd noch nicht den Endstand , da er es nicht mehr ausgehalten hatte und noch immer vor der Sporthalle herumlief .

              

                     Alexander unser Freund aus Odessa , der Matchwinner

Die Preisverteilung

Auf der Bühne der Sporthalle wurden am Abend die Siegerehrungen vorgenommen . Es war eine humorvolle Preisverteilung . Der Gastgeber hatte etwas Mühe mit den Medaillen . Entweder es fehlten immer einige oder die Spieler erhielten die falsche Medaille . Zum Beispiel der Sieger die Bronzemedaille . Während in unseren Breiten sich dann Ärger ausbreiten würde , führte der Italienische Conferencier humorvoll von Irrtum zu Irrtum , sodass herzhaft gelacht wurde und man den nächsten Fehler schon freudig erwartete . Es wurden die besten Teams aber auch die besten Einzelspieler geehrt . So zum Beispiel aus unserem Team Arkadij Naiditsch . Rechts aussen erkennt man auch Vasily Yvanchuk der für den Polnischen Meister spielte , aber auch in der letzten Spielzeit einmal bei uns zum Einsatz kam .    

                                 

                                                     Arkadij                                            Vasily

Am Abend gingen wir nur kurz zu unserer Stammkneipe , da wir doch am andern Tag eine lange Rückfahrt vor uns hatte . Paul überreichte Antonella noch unsern Wimpel als Andenken . Dann gingen wir müde aber zufrieden zu unserem Hotel zurück . Wir hatten sehr schöne Tage in ST.Vincente verbracht und waren mit dem geteilten 9..Platz auch überaus erfolgreich . Die Tage in Norditalien zählen zu den Schönsten meiner nun 26 Schachreisen  von Kapstadt bis Rio . Des Erfolge wegen sicher , aber auch wegen der 9 Tage die innerhalb des Teams ohne Missklang  sehr harmonisch verliefen .

Die Rückreise

Doch ein wenig wehmütig verliessen wir das Aosta Tal . Die Bergwelt , die ich so sehr mag . Auf dem Brenner rassteten wir noch ein wenig und ich bewunderte die herrliche Bergkulisse . Schade bei all’ dem Schach kam natürlicherweise das Geniessen der Landschaft zu kurz . Die Rückfahrt durch Italien , Frankreich,Luxemburg , Belgien verlief sehr zügig . Zu zügig . Wir fuhren mit den Autos in Kolonne . Immer so 110-130 km/St . Wir gerieten dreimal in Radarfallen wurden dreimal geblitzt . Zuerst dachte ich noch an das Lied meiner Lieblingsgruppe (Kastelruther Spatzen) :“ Wetterleuchten in den Bergen „ . Aber als beim drittenmale keine Berge mehr da waren ; musste es schon Leuchten der Radarfallen sein . Es war aber auch schwer jedes Land hatte andere Geschwindigkeitskontrollen und in Italien und Frankreich wechselten die Tempolimits andauernd . Erschwerend für mich war , dass ich mehr die Landschaften links als die Tempolimits rechts beobachtete . Sagen wir einfach mein Beifahrer Bernd war schuld : immer wenn ich längere Fahrten unternehme lasse ich Klassische Musik laufen . Das Dumme sobald ein Klang dieser schönen Musik ertönt , schläft Bernd , mein treuer Beifahrer sofort ein und lässt Verkehrszeichen , Verkehrszeichen sein . Was solls grosse Ereignisse verlangen grosse Opfer . In Eynatten angekommen speisten wir noch im Hotel Tychon  liessen die Tage von St.Vincente noch mal Revue passieren und fuhren dann zufrieden nach Hause . Schon leise summend : „Es war im Zillertal, wo ich sie traf  zum allerersten mal.... „ denn dort findet der Europa Pokal 2006 statt . Aber dafür müssen wir uns erst mal qualifizieren ....

 


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